Freitag, 2. April 2010

Regen.

Ich stand auf und trat näher, um ihn zu fragen, ob er das Radio leiserstellen könnte. Aber er zeigte keine Regung. Er sah nicht einmal auf, als ich mich wieder auf meinen Platz begab. Ich dachte nur, dass er meine Reaktion verfolgen würde. Aber dies tat er nicht, er vertiefte sich mehr und mehr in seine Tätigkeit. Es beängstigte mich. Ich beschloss mich umzusetzen, also nahm ich meine Tasche und ging acht Reihen weiter nachhinten, setze mich und schaute aus dem Fenster. Bäume, Wälder, Häuser, Straßen und Menschen zogen an mir vorbei und sie alle bemerkten mich nicht. Ich blickte mich um, in der Hoffnung, dass nach nun schon einer Stunde jemand dazugestingen sei. Doch niemand war da und ich bemerkte erst jetzt, dass das Radio keinen Ton mehr von sich gab. Ein Hauch von Glück schoss in mir hoch und machte meine Laune ein wenig besser. Schließlich regnete es schon den ganzen Tag und die Regentropfen maschierten haufenweise über die Fensterscheibe. Es war kühl und bei jeder Bewegung durchfuhr mich ein kaltes Zittern.
Mittlerweile fuhren wir auf einer Landstraße, vorbei an Wiesen und Feldern. Auf einer Wiese standen Kühe unter einem spartanischen Unterdach und aßen die restlichen Grassfetzen, die nach dem harten Winter noch im Boden verweilten. Mitleid kam in mir auf, denn ihre Augen hatten einen schimmer von Traurigkeit. Aber ich konnte sie nicht lang beobachten. Wir erreichten die nächste Kurve und ich hatte keine von ihnen mehr im Blick.

Noch ein paar Kilometer und dann habe ich mein Ziel erreicht. Zwei oder drei Stationen und dann werde ich endlich aussteigen. Die Dämmerung brach bereits an, dafür hatte sich der Regen gelegt. Nur der Wind blies anhaltend durch die Baumkronen und ließ kleine Wellen in den Fützen entstehen. Zu gern wäre ich in diesem Moment durch die Wasserlachen gesprungen, um gekleidet mit bunten Gummistiefeln und einem roten Regendmantel die Menschen zu verärgern. So hatte ich es zuvor immer gesehen. Auf Bilder und im Fernsehen. Außerdem wollte ich schon immer mal ein Papierboot entlang der Regenrinne des Gehwegs schwimmen lassen, doch ich bin nie dazu gekommen.

Als ich Ausstieg verpasste ich den Bordstein, fiel und schlug mit dem Kopf auf den Asphalt.

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